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Traumberuf Zahnarzt?

Informationen über das Studium der Zahnmedizin und die Berufsaussichten

Kurzcharakteristik des Studienbereichs

Zum Inhalt des Faches Zahnmedizin gehören die Diagnose und Therapie von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Sein Umfang reicht von Prophylaxemaßnahmen bis zum operativen Eingriff, der Herstellung von Zahnersatz, kieferorthopädischen Geräten und ästhetischen Aufgaben.

Allgemeine Anforderungen

Voraussetzung: Hochschulreife. Die technischen Erfordernisse im Umgang mit komplexen Apparaturen erfordern ein hohes feinmotorisches Geschick, eine gute sensorische Wahrnehmung, Geduld im Umgang mit Patienten und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen mit wissenschaftlichem Literaturstudium.

Eine Neigung zu anhaltend konzentrierter, raumgebundener Tätigkeit ist ebenso erforderlich wie das Arbeiten unter Zeit- und Kostendruck. Der Beruf bringt hohe psychische und manuelle Anforderungen mit sich.

Studium

Das "Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde" und die Approbationsordnung bestimmen das Studium an den 30 zahnmedizinischen Hochschulen in Deutschland. Da die Anzahl der Studienplätze beschränkt ist, bewirbt man sich über eine Zentralstelle (http://www.zvs.de) Die Regelstudienzeit beträgt 10 Semester, gegliedert in vorklinischen und klinischen Teil. Die Kurse werden zum Teil mit den Humanmedizinern gemeinsam durchgeführt. Ein Tag mit zehn Stunden Lernprogramm ist dabei keine Seltenheit. Daran schließt sich das Prüfungshalbjahr an. Das Grundstudium bestimmt sich durch Vorlesungen, Praktika und Ferienkurse. Im Hauptstudium werden theoretische und praktische Inhalte am Patienten vermittelt. Instrumente und Materialien für die praktischen Kurse müssen in der Regel selbst erworben werden. Die Kosten für das Studium liegen dabei über € 5.000,- (sh. DIE ZEIT-Studienführer 2009/10).

Staatsprüfungen

Naturwissenschaftliche Vorprüfung nach dem 2. Semester, zahnärztliche Vorprüfung und Röntgentest nach dem 5. und zahnärztliche Prüfung nach dem 10. Semester, dann Approbation als Zahnarzt.

Beschäftigung

Nach Abschluss des Studiums: in der Regel zwei Jahre Assistenten-Tätigkeit in freier Praxis, um die Zulassung zur Krankenkassenabrechnung zu erhalten (ein Jahr Bundeswehr oder Kliniktätigkeit werden angerechnet). In dieser Zeit sind präzise, zügige Arbeitsweisen, betriebswirtschaftliche Kenntnisse und die Abrechnungsmodi zu erlernen. Freie Assistentenstellen sind relativ schwierig zu finden, Ortswechsel und geringe Anfangsgehälter (wegen der Umsatz-Budgetierung) müssen in Kauf genommen werden. 80 Prozent der Zahnärzte sind in Praxen tätig. Es gibt wenige Stellen in Forschung und Verwaltung.

Weiterbildung zum Oralchirurgen, Kieferorthopäden, ZMK-Chirurgen (einschließlich Humanmedizin-Studium) möglich.

Berufsaussichten

Bereits jetzt sind 15 Prozent der BRD überversorgt und für weitere Niederlassungen nicht geeignet. Eine beunruhigende Perspektive liegt auch in den Unsicherheiten der Krankenkassenreform. Zukünftig ist mit einer Stagnation der Studentenzahlen zu rechnen, weil die Realität der wirtschaftlichen Praxisentwicklung als katastrophal bezeichnet werden muss.

Praxis-Neugründungen (Finanzierungsvolumen ca. € 368.000,-, KZBV 2009) können im Laufe der Lebensarbeitszeit nur unter starken Einschränkungen abbezahlt werden.

Ein Praxisinhaber arbeitet durchschnittlich 48 Stunden/Woche, etwa 20 Prozent der Niederlassungen sind Gemeinschaftspraxen. Die Abhängigkeit von den gesetzlichen Krankenversicherungen schwebt wie ein Damoklesschwert über jedem zahnmedizinischen Freiberufler, das wirkt demotivierend (siehe R. Flöhl: Der Mythos im freien Beruf verblasst, in: R. Hank/L. Weber: Studieren in Deutschland).

Die Realwertentwicklung des Einnahmen-Überschusses hat sich von 1976 bis 2006 halbiert (siehe KZBV-Jahrbuch 2008, Köln), die Zahnärzte sind von der Pole-Position ins untere Viertel des Fachärzteeinkommens abgerutscht, und das bei führenden Investitionskosten. Die mangelnde Berücksichtigung der Investitionshöhe bei der Punktwertgestaltung erweist sich als betriebswirtschaftliches Verhängnis. Die Zahnärztedichte hat zugenommen. Seit 1980 stieg die Anzahl der Zahnärzte um über 50 Prozent. In Großstädten gibt es Überversorgung, immer mehr Zahnärzte können nicht vom Praxisertrag allein existieren.

Der zunehmenden Zahnärzteanzahl steht eine abnehmende Karieshäufigkeit und Prothesenproduktion gegenüber. Die Mundgesundheit hat enorme Fortschritte erzielt (siehe IDZ-Materialienreihe, Band 21), in der Zeit von 1991 bis 2007 waren 32 Prozent weniger Füllungen zu legen, die Zahnentfernungen sind um 20 Prozent zurückgegangen.

In diesem Zusammenhang sei auf die Informationsschrift "Blätter zur Berufskunde - Zahnarzt/Zahnärztin" (herausgegeben von der Bundesanstalt für Arbeit) hingewiesen. Auf mehr als 50 Seiten werden das Studium und der Beruf beschrieben. Die Broschüre ist erhältlich beim Arbeitsamt oder beim Berufsinformationszentrum (BIZ).

Zusammenfassung

Bei hohen feinmotorischen Fähigkeiten, zahntechnischen Kenntnissen und psychischer Belastbarkeit kann der Beruf als Zahnarzt, seiner technischen Komplexität wegen, viel Freude bereiten. Die erforderliche wirtschaftliche Rentabilität, wie sie auch von Banken verlangt wird, ist in Ballungsgebieten nur noch schwer zu erreichen. Image und Wirklichkeit klaffen hier meilenweit auseinander. (weiterführend: www.hochschulkompass.de und www.zahnportal.de).

Autor: Dr. Winfried Zink

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