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Vollnarkose
Angst - etwas ganz Normales
Eigentlich ist es beinahe unnormal, keine Angst zu haben! Zumindest, wenn man berücksichtigt, dass Ängste etwas mit der Entwicklungsgeschichte der Menschen zu tun haben. Denn Angst ist eine Warnung vor Gefahren. Wenn sich das Gefühl vor dem Besuch beim Zahnarzt einstellt, ist das also nichts Ungewöhnliches. Hier geht es ja um den Mund, und der ist keineswegs irgendein Körperteil, sondern ein intimer Bereich. Man zeigt anderen Menschen vielleicht beim Lachen oder Reden seine Zähne, aber in der Regel nicht das gesamte Mundinnenleben. Das ist ein sehr persönlicher Bereich. Geschützt hinter den urzeitlichen "Waffen", den Zähnen.
Als die Menschen noch in Höhlen lebten, war das Zähnefletschen ein Kampfsignal. Hiermit machte jemand seinen Macht- und Sieganspruch deutlich. Wer sich flach hinlegte und seine Kehle entblößte, was bei weiter Mundöffnung automatisch geschieht, der gab seinen Machtanspruch ab, lieferte sich aus, streckte seine Waffen, gab sich als Verlierer zu erkennen. Kein Wunder also, wenn der Instinkt uns heute noch auf dem Behandlungsstuhl signalisiert: Der von oben agierende Zahnarzt hat jetzt die Oberhand und dringt in den persönlichen Intimbereich vor. Dass das zumindest Unwohlsein hervorruft, bei manchen Menschen sogar panikartige Angst, ist also verständlich.
Zahnärzte können mit Angst umgehen
Die Zeiten, da ein Zahnarzt nervös wurde, wenn sein Patient verkrampft war und sich vor der Behandlung fürchtete, gehören der Vergangenheit an. Es soll ja auch Zahnärzte geben, die ein "Unwohlsein" beschleicht - wenn ihnen eine Behandlung bei einem Kollegen oder einem anderen Arzt bevorsteht... Verständnis darf also vorausgesetzt werden. Alle Zahnärzte lernen heute in der Ausbildung und später in vielen Fortbildungsveranstaltungen, dass ängstliche Patienten ganz normale Patienten sind und einfach etwas mehr Zuwendung oder zusätzliche Beruhigungsmaßnahmen benötigen, ehe sie sich behandeln lassen. Es gibt heute eine ganze Palette von Möglichkeiten, Patientenängste abzubauen. Hier einige Beispiele:
Akupunktur: Durch ein paar gezielt gesetzte Akupunktur-Nadeln löst sich die von Angst verursachte Verspannung im Körper, die Muskulatur und die Nerven lockern sich. Eine entspannte Behandlung wird dadurch ermöglicht.
Hypnose: Der Effekt ist sehr ähnlich. Der Patient wird in eine leichte Trance versetzt, bleibt aber noch ansprechbar, ja kann bei Behandlungsschritten noch mitentscheiden. Dennoch ist er so "weit weg" in seiner Phantasie, dass seine Verkrampfungen sich lösen und seine Angst zurückgeht.
Medikamente: Manche Ärzte haben sehr gute Erfahrungen mit vorab (unter Aufsicht des Zahnarztes!) gegebenen Beruhigungsmitteln. Die Arzneimittel lösen die Angst, und ihre Wirkung hält so lange an, bis die Behandlung vorbei ist.
Gespräche: Sinnvoll sind sie im Vorfeld. Entspanntes Reden über die Ängste und die Erinnerung, woher sie kommen. Oder Patienten dürfen z.B. Bohrer, den Absauger oder die Luftdüse auf der Hand ausprobieren, das Gefühl kennenlernen, das dort verursacht wird. Manchmal klappt eine Zahnbehandlung schon nach einer ersten entspannten Kontaktrunde, in anderen Fällen müssen mehr Anläufe genommen werden.
Vollnarkose - nur in Ausnahmefällen
Nur bei Patienten, die eine so starke Behinderung haben, dass sie z.B. die Mundmuskulatur nicht selbst steuern können (Mund öffnen, offen halten usw.), wird auch eine Vollnarkose eingesetzt. In solchen Fällen arbeitet der Zahnarzt allerdings mit einem Narkose-Arzt (Facharzt für Anästhesie) zusammen, der die Narkose überwacht. Eine Vollnarkose wünschen sich manche Eltern für ihre überängstlichen, oftmals schreienden Kinder. Bei allem Verständnis für die enorme nervliche Belastung für alle Seiten: Eine Vollnarkose ist dafür nicht gedacht! Medizinische Gründe sprechen dagegen: Gerade für den empfindlichen Organismus kleiner Kinder ist eine Vollnarkose eine außerordentlich große Belastung und kann unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen - "nur wegen Karies" darf dieses Risiko nicht eingegangen werden. Es gibt aber noch einen anderen Grund: Wenn ein Kind nur unter Vollnarkose behandelt wird, prägt sich ihm dies als Erfahrung ein. Es erlebt nicht den Erfolg, seine Ängste mit eigener Kraft überwunden und die Behandlung bewusst ertragen und überstanden zu haben. Ein solches Kind bleibt vermutlich immer ein Angst-Patient. Das bedeutet auch für die Zukunft voraussichtlich eine unnötig große Anzahl von Schäden an Zähnen und Zahnfleisch, weil notwendige Behandlungen immer wieder bis an die Grenze des Erträglichen aufgeschoben werden.
Merken die Kinder aber (z.B. unter einer leichten Hypnose), dass sie die Behandlung ertragen können und es ihnen nachher besser geht als vorher mit den Schmerzen, dann haben sie einen ganz wichtigen Schritt aus dem Angstkreislauf gemacht und sehr gute Aussichten auf ein Leben ohne Angst vor dem Besuch in der Zahnarztpraxis und damit auch auf ein Leben mit gesund erhaltenen Zähnen.
Nicht mit dem Zahnarzt drohen!
Oft sind es die Eltern, die ohne böse Absicht Ängste schüren: Sie drohen mit dem Zahnarzt, wenn das Kind seine Zähne nicht putzen mag. Kein Wunder, wenn das Kind dann nichts von seinen ersten Zahnschmerzen erzählt, weil es sich vor dem Zahnarztbesuch als Strafe für vernachlässigtes Putzen fürchtet. Wenn schon drohen, dann allenfalls vor den unausweichlichen Zahnschmerzen warnen, weil die Zähne von dem Schmutz auf ihnen krank werden. Und das Kind darauf aufmerksam machen, dass es, wenn es irgendwo weh tut im Mund, lieber gleich den Zahnarzt nachschauen lässt: Werden Anfänge von Zahnschäden rechtzeitig entdeckt, muss manchmal nicht einmal gebohrt werden, oder es ist wenigstens kein großer umfangreicher Behandlungsaufwand notwendig.
Oder Eltern erzählen mit drastischen Worten, was ihnen bei der eigenen Behandlung alles widerfahren ist. Richtig wäre: Gerade gegenüber Kindern zu vermitteln, dass die Behandlung zwar manchmal unangenehm war, man aber jetzt froh ist, dass alles wieder in Ordnung ist und nicht mehr weh tut.
Oder Eltern gehen mit ihrem Kind erst dann zum Zahnarzt, wenn es bereits heftige Schmerzen hat. In solchen Fällen verbindet sich automatisch der Besuch beim Zahnarzt mit der Erfahrung Schmerz.
Wenn die Eltern zu einem Zahnarzt gehen und ihm vertrauen, überträgt sich das auch auf das Kind. Es erlebt, dass nach der Behandlung die Eltern ihre Schmerzen los sind, der Zahnarzt Partner der Familie ist und ihr helfen will. Wenn dann das Kind selbst ein Zahnproblem hat, ist der rechtzeitige Weg zum Zahnarzt selbstverständlich. Denn das Kind hat gelernt, dass es beim Zahnarzt in guten Händen ist, weil er sich um die Gesundheit der Zähne kümmert, und dass ein Zahnarztbesuch etwas völlig Normales ist.
Wenn Eltern mit dem Zahnarzt verabreden, dass sie mit ihrem Kind kommen und ihm die Praxis zeigen möchten, wird er sich ein paar Minuten Zeit nehmen und auch seine Mitarbeiterinnen vorstellen, die dem Kind alles erklären. Wenn es dann wirklich einmal mit Schmerzen kommen sollte, kennt es sich schon aus; möglicherweise erkennt es sogar die nette Frau wieder, die ihm damals alles gezeigt hat.
Eltern, für die Mundhygiene selbstverständlich ist, vermitteln dies auch ihren Kindern. Man kann z.B. mit kleinen Kindern einen Riechtest machen: Vor dem Zähneputzen schnuppern lassen - und hinterher. Das vermittelt ein sinnlich erlebtes Gefühl für "nach dem Putzen ist es besser". Bei größeren Kindern eignet sich auch ein gelegentlicher Putzerfolgstest mit Färbetabletten: Sind wirklich alle Zahnbeläge restlos entfernt oder haben sich noch welche versteckt?
Wo Zähneputzen keine abendliche Pflichtübung ist, sondern wo Kinder tagsüber nach dem Naschen und abends vor dem Schlafen ganz selbstverständlich an das Zähneputzen erinnert werden (vor allem, wenn die Eltern das genauso machen), entwickelt sich ganz langsam ein Gefühl von Verantwortung für die eigene Gesundheit und für die Bedeutung gesunder Zähne. Auch das ist eine Methode, um Zahnschmerzen zu vermeiden und deren anschließende Behandlung: Denn saubere Zähne werden nur selten krank!
Angst? Bitte vorher Bescheid sagen!
Wer zu den ängstlichen Patienten gehört und einen neuen Zahnarzt empfohlen bekam, der mit solchen Patienten besonders gut umgehen kann, sollte sich am besten schon bei der Anmeldung zu einem ersten Termin als "Angstpatient" zu erkennen geben. Der erste Kontakt verlangt etwas mehr Zeit und gegenseitiges Kennenlernen als bei einem schon jahrelang bekannten Patienten, der keinerlei Probleme mit Bohrer & Co hat. Ehe die Angst neu erwacht, weil sich der gerade unter Zeitdruck stehende Zahnarzt zwischen unerwartet vielen Schmerzpatienten plötzlich einem neuen und sehr ängstlichen Patienten gegenüber sieht und nicht die notwendige Muße für Entspannung aufbringt, ist ein ehrliches "ich habe etwas Angst - bitte planen Sie ein paar Minuten mehr ein" schon bei der ersten Terminabsprache für alle Seiten der beste Weg.
Denken Sie dran: Prophylaxe schützt vor schweren, schmerzhaften Zahnerkrankungen!
Was für Kinder gilt, trifft auch für ängstliche erwachsene Patienten zu: Ist der akute Schmerz besiegt und der zerstörte Zahn behandelt, darf man nicht nachlassen und sich wieder vor Praxisterminen "drücken". Nur wenn regelmäßig Kontrolluntersuchungen stattfinden, können auch kleinste Anfänge von Zerstörungen am Zahnschmelz oder Entzündungen des Zahnfleisches entdeckt und meist ohne größeren Aufwand behandelt werden. Gerade ängstlichen Patienten raten deshalb viele Zahnärzte, sich in bestimmten, nach den individuellen Bedürfnissen bemessenen Zeitabständen eine professionelle Zahnreinigung zu gönnen. Dabei werden - schmerzfrei! - alle Beläge von den Zähnen, von den Zahnfleischrändern und aus den Zahnzwischenräumen sorgfältig entfernt und die Zähne danach auf Hochglanz poliert. Das vermittelt nicht nur ein super Gefühl im Mund, sondern verhindert auch sehr erfolgreich das Entstehen von Zahnerkrankungen. Nicht zuletzt kommt der bisher ängstliche Patient nun nicht mehr alle Jahre mal mit Schmerzen zur Behandlung und vertieft seine schlechten Erfahrungen, sondern alle paar Monate zur sorgfältigen Mundhygiene mit angenehmem Ergebnis. Erfahrungsgemäß schwindet dabei die Angst vor dem Besuch beim Zahnarzt jedes Mal ein Stück mehr!
presse/et
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AOK-Video: Vorsicht vor Zahnersatz aus dem Internet
Die AOK lobte dieses Verfahren nicht über den grünen Klee. Sie ließ sogar einen Kritiker in Person von Dr. Claus St. Franz, Stellvertretender Vorsitzender der KZV Hamburg, zu Wort kommen. Dr. Franz sagt in dem Video unter anderem: „Jemand, der nur ein Formular im Internet erkennt, kann sich kaum ein Urteil bilden, was an dem Patienten wirklich notwenig ist, was gemacht wurde, wie die Vorbehandlung ist. Im Internet kann man nur rein sachliche Fragen abklären wie die Preise, Materialien und so weiter, aber die klinische Situation und die Behandlungsbedürftigkeit des Patienten kann ich daraus nicht erkennen.“
Im Beitrag wird auch darauf hingewiesen, dass die von den Zahnärzten abgegebenen Preise nur eine Kostenschätzung darstellen und nicht den Endpreis.
Noch einmal Dr. Franz: „Der Patient wird von seinem Zahnarzt verlangen, dass er anständig aufgeklärt wird über seine Befundsituation, den Lösungsvorschlag des Zahnarztes. Dann wird er gemeinsam mit ihm entscheiden, wie das Problem gelöst werden soll. Dann wird er sich noch über die Gewährleistungsfrist, die gesetzlich zwei Jahre ist, informieren.“
Der Patient wird in dem Beitrag auch darauf hingewiesen, dass er kritisch darauf schauen sollte, wie der Wunschzahnarzt von anderen Nutzern bewertet wurde.
Link auf AOK-Beitrag: Neue Zähne online?
News
Presseinfo: Hamburger Zahnärzte lehnen MVZs für sich ab
Zahnärzte lehnen die Arbeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) ab.
Presseinfo: Lauter Protest in der Sitzung der Vertreterversammlung
Ungewohnt lauten Protest hagelte es am Mittwoch in der Sitzung der Vertreterversammlung der...
"Markt": Info zu Zahnzusatzversicherungen
In der Sendung vom 15.3. ging die Sendung "Markt" (NDR-Fernsehen) ausführlich auf das Thema...

