SAT.1-Gesundheitstipp: Skepsis über ZE aus dem Internet aber tolle Preise
Das SAT.1-Frühstücksfernsehen überraschte seine eher jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauer am ersten Freitag im Dezember mit einem Tipp zum möglichen Geldsparen beim Internet-Zahnarzt. Die Sendereihe ist im Trailer als AOK-gesponsert gekennzeichnet. Eine Hamburger TV-Produktion arbeitete über Wochen an dem Stück. So kam Dr. Claus St. Franz, Stellvertretender KZV-Vorsitzender, dazu, seinen Kommentar in dem Frühstücksfilm einzubringen. Der Beitrag wurde an diesem Morgen zweimal ausgestrahlt und mehrfach in der Sendung angekündigt. Wer sie verpasste, kann die laufenden Bilder auf der Website des Senders ansehen. Hier in Kurzform der Ablauf.
Die frisch-forsch-fröhlichen Moderatoren im Studio unterstellen, dass sich manche Zuschauer ihre neuen Beißer zu Weihnachten wünschen – wegen der hohen Kosten natürlich. Aber es gebe da einen Trick … und der Beitrag beginnt. Anke Neuzerling ist die SAT.1-Gesundheitsreporterin von AOKs Gnaden, die dem Zuschauer aus dem zahnärztlichen Behandlungsstuhl von Dr. Franz erklärt, dass ihr ein Backenzahn gezogen werden muss. Die Lücke soll mit einem Implantat geschlossen werden. Sie vermutet, dass dies richtig teuer wird. Die Reporterin ist echt, die Untersuchung gefaket, der Backenzahn muss sicher nicht daran glauben - aber das erfährt der Zuschauer nicht. In einem Einschub wird dem Zuschauer erklärt, was ein Implantat ist und dass eine Krone das Ganze komplettiert. Was so eine Konstruktion wohl kosten mag, versucht die Reporterin dann bei einer Straßenbefragung vor dem Hamburger Rathaus von Passanten zu erfahren. Die ausgestrahlten Meinungen der überrumpelten Menschen schwanken zwischen 8.000 Euro, 1.000 Euro, 10.000 Euro bis hin zu „das ist eigentlich nicht bezahlbar“.
Die Reporterin, im Film trendig nur Anke genannt, sitzt in der nächsten Szene am häuslichen Schreibtisch und erhält gerade den Heil- und Kostenplan ihres Zahnarztes: Über 3.200 Euro soll die Versorgung kosten. Ob mit Bonusheft oder ohne, erfährt der Zuschauer nicht, interessant ist nur, was unter dem Strich steht. Die Zahl wird drohend ins Bild geschoben. Anke sieht sich schon im Armenhaus angesichts dieser Kosten. Sie klagt ihr Leid in die Kamera. Sie nimmt sich vor, im Internet nach preiswerteren Alternativen zu suchen. Sie steuert www.zahngebot.de und www.2te-zahnarztmeinung.de an. Die Sprecherin erklärt die Funktion dieser Portale, wonach sich dort Zahnärzte gegenseitig unterbieten würden und demnach der Patient eine Menge Geld sparen könne. Die Suche koste zwischen zwei und sieben Euro, so die Stimme aus dem TV. Anke gibt ihre Daten in den PC ein und fragt sich dann, woher sie eigentlich die Gewähr dafür hat, dass der Zahnarzt, zu dem sie später gehen wird, auch „gut“ ist. Späte Einsicht. Aber auch hier weiß der Sender einen Rat, den sie bei der Zahnärztekammer vermutet.
Anke sitzt wieder bei Dr. Franz (der treffend als Vertreter der Kassenzahnärztlichen Vereinigung untertitelt wird) auf dem Behandlungsstuhl und fragt ihn, woran der Patient einen guten Zahnarzt erkennt. Dr. Franz im O-Ton: „Zuerst einmal achten Sie darauf, wie seine Praxisausstattung ist, ob er ihnen sympatisch ist, dann beobachten Sie ihn bei seinen Handgriffen, denn Sie haben ja eine gewisse Arzterfahrung, und dann werden Sie merken, ob Sie dem Zahnarzt vertrauen können oder nicht.“ Anke fragt Dr. Franz weiter, ob das denn wohl funktionieren könne, wenn ein Zahnarzt, der im Internet ein Gebot abgebene hat, bei ihr ein Implantat macht. Dr. Franz: „Ich glaube es nicht, weil ich keiner bin, der solche Angebote abgeben würde. Ich glaube, dass man sich über die Qualifikation derer, die dort Gebote abgeben, schon vorher mal informieren sollte.“ Ankes Erkenntnis in Richtung Zuschauer: „Kohle ist nicht alles, ich muss mich ganz genau informieren.“
Wieder am heimischen PC erklärt die Stimme aus dem TV, dass sich der Patient insbesondere die Bewertungen anderer Patienten über den Wunsch-Zahnarzt genau ansehen solle. Sie sagt außerdem, dass viele Krankenkassen diese Auktionen unterstützen würden und dass auch die Stiftung Warentest diese Portale geprüft habe. (Diese Aussage soll Seriösität vermitteln – die Stiftung Warentest hat im Jahr 2006 auf einem Portal eine Stichprobe gemacht) Das ist also eine umfassende Information über den neuen Zahnarzt …
Eine Woche später, die Auktion ist fast abgelaufen, Anke ist tief enttäuscht, denn bisher hat sie keine Gebote für ihre Versorgung erhalten. In den letzten Minuten der Auktion gehen dann doch noch drei Gebote ein. Fröhlich erklärt sie, dass sie über 30 Prozent sparen könne. Eine weitergehende Recherche, wie dieser Zahnarzt von anderen Patienten auf dem Portal bewertet wird, wird nicht gezeigt. Dafür folgt umgehend der Praxisbesuch beim vermutlich günstigsten Zahnarzt, ein Daniel Leder, wie das Praxisschild sagt. In welcher Stadt dieser Billig-Zahnarzt arbeitet, erfährt der Zuschauer nicht. Anke inspiziert die Praxis, die ein großes Aquarium vorweisen kann – offenbar beruhigend. Die Stimme aus dem TV erklärt, während sich der Zahnarzt seinen Mundschutz geraderückt, dass der Behandler erst nach einer gründlichen Untersuchung ein verbindliches Angebot abgeben wird. Zusätzlich befragt ihn Anke, wie viele Implantate er so setze (die Antwort klingt vernuschelt nach „wöchentlich“) und wie er den niedrigen Preis einräumen könne. Der Preis sei durch Großeinkauf und Eigenlabor möglich, erklärt Daniel Leder, trotzdem sei die Qualität natürlich gleich hoch wie bei anderen Zahnärzten. Der Zahnarzt bestätigt auf Nachfrage, dass durch diese niedrigen Preise auch schon Patienten bei ihm hängengeblieben seien.
Die Schlusseinstellung des Films stellt noch einmal die ursprünglich veranschlagte und die durch die Internet-Recherche erreichte Summe gegenüber, dazu die mahnende Stimme aus dem TV: „Informieren Sie sich vorher gut, damit es später keine bösen Überraschungen gibt.“ Noch einmal der AOK-Trailer, und nach gut 4:30 Minuten ist der Film zu Ende.
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Nachsatz
Das TV-Team war zweimal in der Praxis von Herrn Dr. Franz zum Dreh und betrieb damit einen reichlichen Aufwand. Ausführliche Stellungnahmen von Dr. Franz insbesondere zum Beratungsangebot der KZV fielen der Schere zum Opfer.
Link
SAT.1 bietet viele Sendungen im Web an. Darunter auch den Gesundheitstipp vom 4.12. Folgen Sie bitte diesem Link und scrollen Sie dann zurück in der Zeitleiste zum 4. Dezember.






