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Informationsveranstaltung neue Qualitätszirkel

Effektiver Austausch auf Augenhöhe

Gut 10 Jahre nach der Gründung der ersten Qualitätszirkel hatte die Kammer einen Aufruf zur Gründung neuer Qualitätszirkel gestartet, zu der sich über 100 Interessenten gemeldet haben. In einer Informationsveranstaltung am 21.09.2009 wurde den Interessenten Bedeutung, Arbeitsweise und Gründung von Qualitätszirkeln erläutert.

Kammerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Sprekels begrüßte die Interessenten sowie Referenten. Er erinnerte an die „Sturm- und Drangzeit“ vor gut 10 Jahren, als Dr. Andreas Hartleb mit den Qualitätszirkeln „eine Initialzündung setzte, die in Hamburg zu einem Flächenbrand wurde“. Die Kammer sei damals von Nachfragen förmlich überrannt worden und musste mehr und mehr Moderatoren schulen, um der Nachfrage Herr zu werden. Heute seien etwa 500 Zahnärzte, also gut ein Drittel der niedergelassenen Mitglieder in einem Qualitätszirkel. Dies sei bundesweit spitze und man könne darauf stolz sein.

Prof. Sprekels erinnerte weiter an das Jubiläum „10 Jahre Qualitätszirkel der Zahnärztekammer Hamburg“, das im vergangenen Jahr begangen werden konnte. Nun gehe es darum, neue Qualitätszirkel ins Leben zu rufen und er freue sich, dass die Resonanz so groß sei.

„Wie alles begann“

Dr. Andreas Hartleb, damals im Vorstand zuständiger Referent, erinnerte an die Anfänge der Qualitätszirkel. Er sei nach Köln zum Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) gefahren, wo man Qualitätszirkel vorgestellt habe. Keiner habe so recht gewusst, ob sich Qualitätszirkel, die es im ärztlichen Bereich schon länger gab, auch bei Zahnärzten durchsetzen würden. Nach einem Pilotprojekt in Westfalen-Lippe sei der Startschuss gefallen und seitdem seien die Qualitätszirkel, insbesondere in Hamburg, eine Erfolgsgeschichte geworden. Dr. Hartleb hob die intensive Unterstützung der Zahnärztekammer in der Anfangsphase hervor, die Moderatoren schulte, Moderatorenkoffer zur Verfügung stellte und auch die Raummieten übernahm.

Dr. Hartleb erläuterte die Rolle des Moderators. Dieser ist nicht Referent, sondern moderiert, trägt die Verantwortung, regt an, beherrscht aber nicht. Entscheidend an einem Qualitätszirkel sei das kollegiale Gespräch auf freundschaftlicher Ebene. Jedes Mitglied eines Qualitätszirkels sei Experte. Alle Informationen werden zusammengetragen und jeder könne etwas für sich und seine Praxis mitnehmen.

Qualitätszirkel könnten aber auch weitere Zwecke erfüllen. Er erinnerte daran, dass Hamburger Qualitätszirkel die von der Zahnärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung zzq gemeinsam mit der Wissenschaft entwickelten Leitlinien auf Praxistauglichkeit überprüft hatten. Ein vergleichbares Projekt könne er sich auch für die Überprüfung von Hygieneanforderungen an die Praxen vorstellen.

Praxiswirklichkeit abbilden

Die praktische Arbeit eines Qualitätszirkels stellte Dr. Malte Scheuer, Moderator eines „Qualitätszirkels der ersten Stunde“ vor. In seinem Qualitätszirkel seien 13 Teilnehmer im Alter von 26 bis 65 Jahren. Man treffe sich 10 bis 11 mal im Jahr für ca. drei Stunden, seit 1998 seien damit schon 116 Treffen zustande gekommen.

In den Sitzungen befasse man sich einmal mit Themenarbeit, bei der es darum gehe, die Praxiswirklichkeit abzubilden. Als Beispiel nannte er das Zusammentragen von Anforderungen an Implantatsysteme. Ziel sei es nicht, das für alle Praxen geeignete System zu finden, sondern jedem Mitglied zu veranschaulichen, welche Anforderungen er selbst stelle und welches System für seine Praxis am besten geeignet sei. Auch wirtschaftliche und administrative Themen spielten eine Rolle. Daneben gehe es auch darum, praktisch zu arbeiten, als Beispiel nannte er das Anlegen von Gesichtsbögen einmal selbst beim Kollegen zu versuchen, sowie das Besprechen von interessanten Fällen von Mitgliedern des Qualitätszirkels.

Praktischer Nutzen

Dr. Scheuer nannte zahlreiche Beispiele für den praktischen Nutzen der Qualitätszirkelarbeit. Sie erleichtert die praktische Umsetzung neuer Methoden und Abläufe, gibt Anregungen, das eigene Handeln zu hinterfragen und die Möglichkeit, aus der Erfahrung von älteren wie auch von jüngeren Kollegen zu profitieren. Hierdurch könnten auch eigene mögliche Unsicherheiten überwunden werden. Anders als bei einer Fortbildung handele es sich um keinen Frontalvortrag, sondern um einen effektiven Austausch auf Augenhöhe. Dadurch, dass es sich um einen kleinen Kreis handele, bestehe Offenheit, sodass zum Beispiel auch über Preise gesprochen werden könne. Als Voraussetzungen für eine erfolgreiche Qualitätszirkelarbeit nannte er regelmäßige Treffen, eine verbindliche Mitwirkung aller Teilnehmer an allen Sitzungen sowie themenbezogene und praxisorientierte Arbeit. Zusammenfassend bezeichnete er Qualitätszirkel als ideales Bindeglied zwischen theoretischem Wissen und dessen routinemäßiger Anwendung in der täglichen Praxis.

Vom Arbeitskreis zum Qualitätszirkel

Einen anderen Weg zur Gründung eines Qualitätszirkels beschrieb Thomas Springer, ebenfalls Qualitätszirkelmoderator der ersten Stunde. Sein Qualitätszirkel habe auf einem Arbeitskreis aufgebaut, der schon im Jahre 1986 gegründet worden sei. In diesem Arbeitskreis hätten sich damals Kollegen zusammengeschlossen, die persönlich miteinander bekannt gewesen seien. Da man sich persönlich gekannt habe, seien zu Beginn die Befindlichkeiten größer gewesen, miteinander offen zu sprechen. Im Laufe der Zeit habe sich jedoch ein Vertrauensverhältnis entwickelt, das dazu geführt habe, dass man nun offen auch über sensible Themen sprechen könne.

Auch über Misserfolge reden

Für besonders wertvoll erachte er es, dass in einer Qualitätszirkelsitzung auch über Misserfolge und ihre Ursachen und Möglichkeiten, sie zu beheben, gesprochen werden könne. Das Vertrauensverhältnis ermögliche hier eine konstruktive Diskussion. Auch hierin unterschiede sich eine Qualitätszirkelsitzung von einer Fortbildungsveranstaltung, bei der in aller Regel nur Erfolge vorgestellt würden.

Er verstehe seine Rolle nicht als Chef oder Animateur, sondern eben als Moderator. Er versuche, die Interessen und Wünsche der Teilnehmer zu erfragen und dann umzusetzen. Hierfür setze er zum Beispiel Fragebögen ein, mit denen die Wünsche der Mitglieder abgefragt würden. Auch in seinem Qualitätszirkel kämen die Anregungen für Themen aus dem Kreis der Mitglieder. In aller Regel bespreche man sich untereinander. Künftig wolle man aber auch einmal wieder externe Referenten einladen.

Unterstützung durch die Kammer

Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Kurz und Qualitätszirkel-Ansprechpartnerin Maren Haß stellten die umfangreiche Unterstützung durch die Kammer vor. Die Kammer unterstützt die neuen Qualitätszirkel bei ihrer Gründung, kann bei Interesse erfahrene Moderatoren als „Paten“ benennen, erstellt Jahresauswertungen, Zertifikate mit Fortbildungspunkten und Anregungen für Themen und Referenten. Abschließend dankte der Referent für Qualitätszirkel, Dr. Andreas Hartleb, allen Anwesenden für ihr Kommen und wünschte ihnen viel Erfolg bei der Gründung der neuen Qualitätszirkel.

Wer sich für die Beteiligung an einem Qualitätszirkel interessiert, kann sich gerne noch bei Frau Haß unter der Telefonnummer 040/73 34 05-35 anmelden.

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Prof. Dr. Wolfgang Sprekels
Dr. Andreas Hartleb
ZA Thomas Springer
Dr. Malte Scheuer
Dr. Hartleb (links) Thomas Springer und Dr. Peter Kurz (Hauptgeschäftsführer der ZÄK)
Die Betreuerinnen: Maren Hass, Marina Buchmann und Tamara Grosch
Blick in den Saal

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