Toggle navigation

20.06.2013: Gut gespült ist halb gewonnen?

Konstantin von Laffert
Dr. Maryla Brehmer

Die neue RKI-Richtlinie fordert für viele Praxen den Thermodesinfektor (RDG). Wir haben die Kosten für die Geräte und die damit verbundenen Begleitmaßnahmen ermittelt.

Die neue RKI-Richtlinie zur Aufbereitung von Medizinprodukten (10/2012) fordert „grundsätzlich“ maschinelle Aufbereitung von Medizinprodukten der Einstufung „kritisch B“. Da in vielen Praxen eben diese Produkte aufzubereiten sind, werden sich künftig diejenigen, die bislang noch nicht im Besitz eines RDG sind, dem Kauf eines solchen Gerätes kaum entziehen können.

Nicht nur bei der Anschaffung ist mit erheblichen Summen zu rechnen, auch die Wartung und Validierung bergen nicht zu unterschätzende Kollateralkosten. Unser Ziel ist es, Transparenz in das Konglomerat aus Grundpreis, Korbausstattung, Sonderzubehör und laufenden Kosten zu bringen.

Die Tabelle auf der rechten Seite gibt Auskunft über Listenpreise für Thermodesinfektoren verschiedener Hersteller. Die Ausstattung mit Einsätzen wie Körben, Anschlüssen für Winkelstücke etc. wurde so gewählt, dass die Maschinen in etwa vergleichbar sind und eine ausreichende Basisausstattung haben.

Die Auswahl der Geräte und Hersteller erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit (weitere uns bekannte Geräte kommen z. B. von den Herstellern Getinge, Medisafe, Mocom, Prestige, Smeg und Steelco).
Darüber hinaus haben wir versucht, die Kosten für Wartung und Validierung zu ermitteln, auch hier handelt es sich natürlich um Durchschnittspreise, die abweichen können.

Die Verpflichtung zum Thermodesinfektor sehen wir weiterhin kritisch. Auch wenn eine maschinelle Reinigung ihre Vorzüge hat, sind folgende Probleme bei der Anwendung des RDG zu berücksichtigen:

  • Nach der Anwendung am Patienten dürfen die kontaminierten Medizinprodukte bekanntermaßen bis zu 6 Stunden trocken gelagert werden. Die Wannendesinfektion ist hier nicht vorgesehen. Sollte sich bei der Bestückung des Thermodesinfektors eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter trotz Durchstich hemmender Handschuhe an Instrumenten verletzten, ist eine Infektion durch die kontaminierten Instrumente möglich. Wir sehen hier eindeutig ein erhöhtes Risiko für das zahnärztliche Personal.
  • Semikritisch verwendete Medizinprodukte wurden in Praxen ohne RDG bisher durch Wannendesinfektion desinfiziert, danach manuell gereinigt und dann im Autoklaven bei 134° C unverpackt sterilisiert. Es handelt sich hierbei um eine redundante Systemkette, die bei einem (äußerst unwahrscheinlichen) Ausfall eines Schrittes dennoch einen ausreichenden Schutz des Patienten gewährleistet. Wie ist der redundante Aspekt im RDG zu bewerten, ist das Gerät bei Ausfall eines Systemteils im Endergebnis sicher?
  • Für viele kleine Instrumente mit engen Lumina fehlen entsprechende Spülanschlüsse im Sortiment vieler RDG-Hersteller. Hier ist somit immer noch manuelle Nacharbeit gefordert.
  • Nicht alle Materialien vertragen die Heißwäsche im RDG. Es muss sichergestellt sein, dass v. a. die metallischen Instrumentarien RDG-kompatibel sind, um Probleme wie Flugrost zu vermeiden.
  • Die tabellarische Auflistung veranschaulicht, dass die Ausgaben für das Gerät und die Wartung aus unserer Sicht extrem hoch sind. Es ist offensichtlich, dass der Erwerb eines RDG für eine durchschnittliche Einzelpraxis eine enorme wirtschaftliche Belastung darstellt. Hier greift die Überlegung, ob durch die Bildung von Einkaufsgemeinschaften der finanzielle Aspekt erträglicher gemacht werden kann. Darum werden die Autoren sich kümmern.

Dem seinerzeit von Ulla Schmidt formulierten Ziel, unserer Freiberuflichkeit entgegenzuwirken, kommt die Politik mit Belastungen für die Praxis wie der Anschaffung des RDG mal wieder einen Schritt näher.

Konstantin v. Laffert
Dr. Maryla Brehmer


Für die Hilfe bei der Erstellung der folgenden Übersicht bedanken wir uns bei Ralf Lehmann von der Firma Dental 2000 in Hamburg.

Erschienen im Hamburger Zahnärzteblatt 6-2013

Download: Tabelle Hygiene Thermodesinfektor