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Was Eltern für gesunde Milchzähne ihrer Kinder tun können.

Gesunde Milchzähne sind wichtig für die kindliche Entwicklung

Die Bedeutung gesunder Milchzähne wird häufig unterschätzt. Die Tatsache, dass die Milchzähne bereits nach wenigen Jahren durch bleibende Zähne ersetzt werden, verleitet zu der Annahme, mit den Milchzähnen müsse man es nicht so genau nehmen. Aus zahnärztlicher Sicht ist das jedoch falsch. Es gibt gleich mehrere Gründe, die Pflege der kleinen Zähnchen ernstzunehmen:

Milchzähne verhindern Fehlstellungen

Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Geht ein Milchzahn vorzeitig verloren, kann das beim Zahnwechsel dazu führen, dass bleibende Zähne schief herauswachsen und es zu Zahnfehlstellungen kommt. Besonders wichtig ist die Erhaltung des hinteren Milchbackenzahns. Dieser Zahn wird beim Zahnwechsel erst im Alter zwischen 9 bis 11 Jahren ersetzt. Ab dem 6. Lebensjahr bricht jedoch bereits der erste bleibende Backenzahn hinter dem letzten Milchzahn durch. Fehlt nun der Milchzahn, kann der benachbarte bleibende Zahn in die Lücke hineinwachsen und es kommt zu Fehlstellungen.

Karies gefährdet die bleibenden Zähne

Bildet sich Karies am Milchzahn, können die kariesauslösenden Bakterien auch auf noch nicht ganz durchgebrochene bleibende Zähne übergehen und diese ebenfalls angreifen. Deshalb ist es wichtig, jede Karies an Milchzähnen schnellstmöglich zu behandeln.

Sprachliche Entwicklung

Zahnlücken und Zahnfehlstellungen begünstigen eine fehlerhafte Lautbildung (z. B. Lispeln). Ein vollständiges Milchzahngebiss ermöglicht dem Kind eine deutliche Aussprache und ist wichtig für die sprachliche Entwicklung.

Milchgebiss

Das Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen - pro Kiefer 4 Schneidezähne, 2 Eckzähne und 4 Mahlzähne (Backenzähne). Beim Zahnwechsel wird jeder Milchzahn durch einen bleibenden Zahn ersetzt und es kommen pro Kiefer 6 Mahlzähne (incl. der Weisheitszähne) hinzu.

Kariesgefahr bei Milchzähnen

Die größte Gefahr für die Milchzähne ist die Karies. Karies ist ein Prozess, bei dem der gesunde Zahn durch säurehaltige Ausscheidungsprodukte schädlicher Bakterien Zug um Zug entmineralisiert wird. Zurück bleibt eine poröse Masse zerstörter Zahnsubstanz, die „Karies“. Milchzähne und auch die bleibenden Zähne in den ersten Jahren nach dem Durchbrechen sind besonders gefährdet, da sie einen dünnen, noch nicht ausgereiften Zahnschmelz und damit eine empfindliche Zahnoberfläche haben. 
Ursache von Karies sind oft Verunreinigungen an den Zähnen (Zahnbeläge), in denen sich Kariesbakterien ansiedeln. Diese Bakterien ernähren sich von Resten aufgenommener Nahrung und scheiden säurehaltige Substanzen aus, die dann den Zahn angreifen.

Um die Milchzähne Ihres Kindes vor Karies zu schützen, haben Sie zunächst einmal alle Mittel selbst in der Hand. Die Eckpfeiler einer wirksamen Kariesvorbeugung sind:

  • Ernährungsregeln beachten (zucker- und säurehaltige Getränke/Nahrungsmittel - siehe Text weiter unten)
  • Gründliche Zahnreinigung
  • Einsatz von Fluoriden
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen in der Zahnarztpraxis

"Der Zahnwechsel"

Bereits ab dem ersten Lebensjahr entwickeln sich die Anlagen für die bleibenden Zähne. Sie wachsen langsam im Kiefer heran, bis sie schließlich ab dem 6. Lebensjahr durchbrechen. Das geschieht häufig unbemerkt, da zunächst die ersten großen Backenzähne (6-Jahr-Molaren) hinter den Milchbackenzähnen durchbrechen und dafür kein Milchzahn verloren geht. Der Zahnwechsel beginnt dann oft wenig später mit den Schneidezähnen im Unterkiefer.

Sowohl der Zeitpunkt als auch die Reihenfolge des Zahndurchbruchs kann individuell verschieden sein. Eltern müssen nicht beunruhigt sein, wenn die bleibenden Zähne beispielsweise etwas länger auf sich warten lassen. Wichtig ist aber in jedem Fall die regelmäßige Kontrolle in der Zahnarztpraxis, damit etwaige Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

Die Milchzähne schützen - Vorbeugen statt Bohren

Ernährung - Der Umgang mit Zucker

Bereits wenige Minuten nach dem Essen von Süßigkeiten wandeln Kariesbakterien den darin enthaltenen Zucker in Säure um. Die sonst harte Zahnoberfläche, der Zahnschmelz, wird angeätzt und aufgeweicht. Das natürliche Mundmilieu des Menschen reagiert jetzt auf einen solchen Angriff: Mit Hilfe des Speichels werden die Säuren neutralisiert und der angegriffene Zahnschmelz wiederaufgebaut. Dieses natürliche System kommt aber aus dem Gleichgewicht, wenn es oft und langanhaltend mit Zucker belastet wird. Das gleiche gilt für saure Nahrung und Getränke (z. B. Zitrusfrüchte, Obstsäfte). Entscheidend für die Kariesgefahr ist also nicht, wie viel, sondern wie oft Süßes und Saures gegessen wird und wie lange es auf die Zähne einwirken kann.

Tipps:

  • bei Säuglingen Dauernuckeln vermeiden (auch Muttermilch enthält Zucker)
  • kein ständiges Naschen, Trinken süßer / saurer Getränke, keine klebrigen Süßigkeiten
  • keine „Betthupferl“ nach dem Zähneputzen.
Eine gründliche Zahnreinigung beseitigt Zahnbeläge und schränkt so die Ausbreitung von Kariesbakterien ein.

Zahnreinigung

Beginnen Sie bereits nach dem Durchbruch der ersten Zähnchen mit der Zahnreinigung. Benutzen Sie dafür ein weiches Tuch oder Wattestäbchen. Später können Sie auch Finger- oder Kinderzahnbürsten einsetzen.

In dem Maße, wie sich die motorischen Fähigkeiten Ihres Kindes entwickeln, kann es Schritt für Schritt eigenständig Zahnputzaufgaben übernehmen. Wichtig dabei ist, dass Ihr Kind ein positives Verhältnis zum Zähneputzen entwickelt und es als normalen Bestandteil seines Lebens begreifen lernt. Achten Sie darauf, dass noch bis ins Schulalter hinein kontrolliert und nachgeputzt werden muss.   

Tipps:

  • ab dem 2. Geburtstag zweimal täglich Zähneputzen - morgens und abends nach dem Essen
  • fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwenden
  • möglichst 3 Minuten Zähne putzen
  • Lassen Sie sich in Ihrer Zahnarztpraxis zu Putztechniken und Zahnbürsten beraten.

Fluoride zur Kariesvorbeugung

Fluoride hemmen die Schädigung des Zahnschmelzes und unterstützen gleichzeitig die Reparatur angegriffener Zahnoberflächen. Sie sind deshalb ein wichtiger Baustein zur Kariesprophylaxe. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Fluoride vor allem lokal durch Kontakt mit den Zahnoberflächen wirken. Deshalb ist gerade das regelmäßige und ausreichend lange Zähneputzen (Kontaktzeit Zahnpasta/Zahnoberfläche) mit fluoridhaltiger Zahnpasta kariesvorbeugend. Fluoridtabletten werden nur in besonderen Fällen bei hohem Kariesrisiko empfohlen.

Tipps:

  • bis zum 6. Monat keine Fluoridierungsmaßnahmen notwendig
  • fluoridiertes Speisesalz eignet sich als Basisprophylaxe
  • die ersten Milchzähne einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta putzen.
  • ab 2 Jahren zweimal täglich mit Kinderzahnpasta putzen
  • ab dem Schulalter können Zahnpasten mit höherem Fluoridgehalt benutzt werden.
  • Fluoridgele, -lacke und -wässer nur unter zahnärztlicher Kontrolle anwenden.

Regelmäßige Kontrolle in der Zahnarztpraxis

Auf Grund des dünnen Zahnschmelzes sind Kinderzähne besonders kariesgefährdet. Deshalb ist die regelmäßige Kontrolle in der Zahnarztpraxis sehr wichtig, da nur so Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Ab dem Durchbruch der ersten Zähnchen sollten Sie halbjährliche Kontrolluntersuchungen fest einplanen. Die ersten Besuche in der Zahnarztpraxis beschränken sich oft auf die Kontrolle der Zahnstellung und die Einschätzung des Kariesrisikos. Sie erhalten Hinweise zur Zahnpflege, zur Ernährung und zur Anwendung von Fluoriden. Sollte doch einmal gebohrt werden müssen, dann machen Sie dem Kind keine falschen Versprechungen. Sätze wie „Es tut gar nicht weh.“ sind fehl am Platze. Sagen Sie die Wahrheit und helfen Sie Ihrem Kind, die Unannehmlichkeiten zu meistern. Sparen Sie nicht mit anerkennenden Worten, wenn die Behandlung vorüber ist.

Fissurenversiegelung

Fissuren sind spaltartige Vertiefungen in der Zahnoberfläche, die sich schlecht oder gar nicht mit der Zahnbürste reinigen lassen. Hier bilden sich schnell Zahnbeläge und Karies. Bei Jugendlichen konzentriert sich der Kariesbefall zu 60-90 % (nach verschiedenen Untersuchungen) auf die Fissuren der Backenzähne. Um die sogenannte Fissurenkaries zu verhindern, können Fissuren vorsorglich mit einem Kunststoffmaterial versiegelt werden. Dabei werden zerklüftete Zahnreliefs geglättet und Angriffsflächen für die Karies reduziert. Es entsteht eine für die Zahnbürste gut zu reinigende Zahnoberfläche. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für die Fissurenversiegelung der bleibenden großen Backenzähne auf - die Versiegelung an den Milchzähnen und allen anderen bleibenden Zähnen muss privat bezahlt werden.

Hinweis: Karies ist ansteckend!

Ohne Kariesbakterien kann Karies nicht entstehen. Der Säugling besitzt diese Bakterien nicht von Geburt an, sondern erwirbt sie durch „Ansteckung“ - meist von den Eltern. Achten Sie deshalb auf mögliche Infektionsquellen (z. B. Nuckel oder Kinderlöffel nicht ablecken).

GKV*-Kassenleistungen

--> Allgemeine halbjährliche Kontrolluntersuchung bei Kindern und Jugendlichen

--> 0-1-Jährige: Bei Auffälligkeiten an Zähnen und Schleimhaut kann der Kinderarzt im Rahmen der U5, U6 und U7 auf eine zahnärztliche Untersuchung verweisen.

--> Früherkennungsuntersuchungen für 2-5-Jährige: 3 Untersuchungen vom 30. bis 72. Lebensmonat: Eingehende Untersuchung, Beratung, Einschätzung des Kariesrisikos, Fluoridierungsempfehlungen. Lokale Fluoridierung (Fluoridlack) bei normalem Kariesrisiko halbjährlich, bei hohem Kariesrisiko vierteljährlich. Fissurenversiegelung bleibender großer Backenzähne nach Bedarf.

--> Individualprophylaxe für 6-17-Jährige: Lokale Fluoridierung (Fluoridlack) bei normalem Kariesrisiko halbjährlich, bei hohem Kariesrisiko vierteljährlich, Fissurenversiegelung bleibender großer Backenzähne nach Bedarf.

*GKV = Gesetzliche Krankenversicherung

Tipps

  • bis zum 6. Monat keine Fluoridierungsmaßnahmen notwendig
  • fluoridiertes Speisesalz eignet sich als Basisprophylaxe
  • die ersten Milchzähne einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Zahnpasta putzen.
  • ab 2 Jahren zweimal täglich mit Kinderzahnpasta putzen
  • ab dem Schulalter können Zahnpasten mit höherem Fluoridgehalt benutzt werden.
  • Fluoridgele, -lacke und -wässer nur unter zahnärztlicher Kontrolle anwenden.

Diese Informationen auf Papier ...

... bekommen Sie unter Umständen bei Ihrem Hamburger Vertragszahnarzt.

Verlag

Dentalisverlag Benn Roolf, Radenzer Str. 21, 12437 Berlin, www.dentalisverlag.de

Bildnachweise

  • Titelbild: Yuri Arcurs/Fotolia.com, Fotolia-Bildnummer: 9237261
  • Bild 1: Benn Roolf
  • Bilder 2,3: Dr. Herbert Rukat
  • Bild 4: Ramona Heim/Fotolia.com, Fotolia-Bildnummer: 9422252
  • Bild 5: pressmaster/Fotolia.com, Fotolia-Bildnummer: 13567763
  • Bilder 6,7: PD Dr. Jan Kühnisch, LMU München