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Die 13 ist eine Glückszahl!

Der 13. Hamburger Zahnärztetag am Freitag und Sonnabend 24./25. Januar 2019 mit dem Thema „Bruxismus und Zahnverschleiß“ war schon Mitte November 2018 ausgebucht und es bildete sich eine Warteliste von über 150 Zahnärztinnen und Zahnärzten, die noch auf Stornierungen hofften, leider aber vergeblich.

Der Fortbildungsausschuss unter der Leitung des Ausschuss-Vorsitzenden PD. Dr. M. Oliver Ahlers hatte das Thema Bruxismus und Zahnverschleiß“ gewählt – und damit erkennbar den Nerv der Fortbildungs-Interessierten getroffen. Natürlich ist Ahlers als CMD-Experte bestens vernetzt mit hochkarätigen Referenten aus dem In- und Ausland und konnte im Team mit dem Ausschuss und den Mitarbeiterinnen der Fortbildungsabteilung ein attraktives Programm schneidern. Das Hotel Empire Riverside bot die wunderbare Kulisse und ist erneut mit seinen Dienstleistungen und aufmerksamen Mitarbeitern von den Teilnehmern gelobt worden.

Entwicklung des Zahnärztetages
Bis der Kammervorstand vor 14 Jahren den Fortbildungsausschuss um die Organisation dieses neuen Formats der Fortbildung bat, herrschte zunächst Skepsis, ob die Kollegenschaft die kompakte Vortrags-Veranstaltung an zwei Tagen annehmen würde. Die Hoffnung war schon damals, dass die Hansestadt auch Kollegen aus anderen Bundesländern anziehen würde, damit sie das Nützliche – die Fortbildung - mit dem Angenehmen – dem kollegialen Zusammensein und abendlichen Feiern verbinden - würde. Damals war der Sonnabend so konzipiert, dass sich nach einem früheren nachmittäglichen Ende abends der traditionelle Hamburger Zahnärzteball anschließen würde.

Dieses Kalkül ist leider nicht aufgegangen, der Ball ist Vergangenheit. Das kollegiale Treffen von Hamburgern und „Umländern“, ehemaligen UKE-Absolventen oder Curriculums-Teilnehmern hingegen ist mittlerweile fest etabliert. In den Pausen und insbesondere am Freitag-Abend beim Get-together ist jetzt zu beobachten, wie freundschaftlich und froh gelaunt das Publikum den Zahnärztetag begeht. Es wurde anfangs etwas experimentiert mit den Örtlichkeiten, bis sich das Empire Riverside Hotel als bisher bester Veranstaltungsort erwies. Aufgrund der großen Nachfrage muss nun der Fortbildungsausschuss überlegen, ob es nicht doch andere Möglichkeiten gibt, die mehr Kolleginnen und Kollegen die Teilnahme ermöglichen.

Zum Format „Zahnärztetag“ gehört es seit jeher, dass der Präsident der Zahnärztekammer die Veranstaltung eröffnet und die Gelegenheit nutzt, berufspolitische Aspekte bei der Begrüßung der Teilnehmer anzusprechen. Konstantin von Laffert dankte zunächst für das Vertrauen der Hamburger Wähler und der neu gewählten Delegierten der Zahnärztekammer, die ihn als Präsidenten, Dr. Thomas Einfeldt als Vizepräsidenten und die beiden weiteren Vorstandsmitgliedern Dr. Maryla Brehmer und Dr. Thomas Clement erneut mit der Vorstandsarbeit beauftragt hatten. Im fünften Vorstandsamt war es bei der konstituierenden Delegierten-Versammlung zu einem demokratischen Wechsel gekommen. Vier Kandidaten bewarben sich darum und Dr. Kathleen Menzel gewann die Wahl. Sie ist in der Geschichte der Hamburger Zahnärztekammer die erste angestellte Zahnärztin und gleichzeitig das jüngste jemals gewählte Vorstandsmitglied.

Der Präsident stellte dann noch einmal heraus, dass die gesundheitspolitische Entwicklung zu Großinvestoren-geführten zahnmedizinischen Versorgungszentren eine enorme Herausforderung für die zahnmedizinische Versorgungswirklichkeit bedeute. Die niedergelassenen Zahnärzte und auch die angestellten Kolleginnen und Kollegen seien gefordert, Stellung zu beziehen und den Gesundheitspolitikern und der Öffentlichkeit darzulegen, welche Auswirkungen diese Entwicklung hat.

Weiter ist der Zahnärztetag als große Versammlung vieler Hamburger Zahnärzte die Gelegenheit, verdiente Kollegen zu ehren. Diesmal wurde der Altonaer Zahnarzt Dr. Claus St. Franz für sein Engagement in der Zahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung mit der Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft ausgezeichnet. Es führt zu weit, wenn man die vielfältigen Aktivitäten des Obmanns der Bezirksgruppe Altona/Innenstadt, des Mitglieds des Fortbildungsausschusses, des KZV-Vorstands, Gutachters oder andere Gremienarbeiten im Detail aufführen würde. Der verdiente Kollege freute sich aber sichtlich über diese Anerkennung, dankte für die Ehre und appellierte an die Zuhörer, Gremienarbeit nicht gering zu schätzen und den Mehrwert an Wissensgewinn und Kollegialität zu bedenken, der aus dieser berufspolitischen Tätigkeit zu schöpfen ist.

Festvortrag als Lichtblick
Und dann begann die echte Fortbildung! Es ist wirklich ein Glück, dass wir Hamburger Zahnärzte einen so liebenswürdigen, beredten und kompetenten Vorsitzenden des Fortbildungsausschusses haben, der wirklich außergewöhnlich gut moderiert und seine Netzwerk-Kontakte aus seiner eigenen wissenschaftlichen Karriere und aktuellen Arbeit nutzen kann. PD Dr. Ahlers begrüßte charmant und mit Understatement den diesjährigen Festvortragsredner, den Neurologen am UKE Prof. Dr. Christian Büchel und erwähnte ganz beiläufig, dass Büchel Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preisträger für seine Forschungen ist, einer der höchsten Auszeichnungen, die in Deutschland vergeben werden. Büchel erhielt den Leibniz-Preis 2010 für seine grundlegenden Forschungen zu neuronalen Netzwerkeigenschaften, die bei komplexen Hirnprozessen wie Lernen, Gedächtnis, Sprache, Angst und Schmerz zum Tragen kommen. Seine Arbeiten zeichnen sich durch große Themenvielfalt und Interdisziplinarität aus; daher war er bei einem Kongress zum Thema Bruxismus prädestiniert, den Festvortrag „Bruxismus, emotionale Verarbeitung und Schlaf: Kann die moderne Neurobildgebung helfen?“ zu halten.

Es ist an dieser Stelle nicht die Aufgabe des Autors, Inhaltsangaben oder Zusammenfassungen zu liefern. Zudem ist der Autor als zuständiges Vorstandsmitglied ständiger Gast im Fortbildungsausschuss und daher quasi parteiisch – und trotzdem sei es erlaubt, dass er lobt: Festvorträge weiten den Blick der Zahnmediziner über das Fachgebiet hinaus. Der Neurologie-Wissenschaftler Büchel lieferte einen brillanten Vortrag, zeigte die Möglichkeiten der Hirnforschung, verband Bruxismus mit medizinischen Phänomen wie „Stottern“ oder „restless legs“, zeigte den Einfluss von neuro-chemischen Botenstoffen und sympathischen bzw. parasympathischen Steuerungen auf den Bruxismus auf und fasste schließlich zusammen: Bruxismus ist an sich keine Erkrankung, sondern eine zentral gesteuerte Verhaltensweise, eher ohne periphere Ursache und weise möglicherweise entwicklungsgeschichtlich auch positive körperliche Aspekte auf.

Inhaltlicher Rahmen der weiteren Vorträge
Es folgten dann (und hier sei die sehr starke Verkürzung bitte dem Autor verziehen) weitere ebenso hervorragende Vorträge am Freitagnachmittag:

  • Bruxismus - ein Update; Prof. Dr. Ingrid Peroz, Berlin
  • Diagnostik von Zahnverschleiß, Behandlungsindikationen und Behandlungsformen; PD Dr. M. Oliver Ahlers
  • Klinische Bewährung vollkeramischer Kronen und (Adhäsiv-) Brücken; Prof. Dr. Matthias Kern Kiel

Und am Sonnabend:

  • Komplexe Restaurationen mit Komposit; Prof. Dr. Thomas Attin, Zürich
  • Indirekte Restaurationen zu Behandlung von Bruxismus-Folgen; Prof. Dr. Petra Griethmühlen, Düsseldorf
  • Implantate und abnehmbarer Zahnersatz bei Bruxismus-Patienten, Dr. Philippe Rieder, Genf
  • Diagnosebezogene Schienentherapie – Chancen und Grenzen bei Bruxismus; Dr. Theresia Asselmeyer, M.A., Hannover
  • Bruxismus, ein Update und Therapieoptionen; Dr. Peter Wetselaar, Amsterdam


Zusammenfassung der Ergebnisse des Fortbildungsprogramms
Bruxismus betrifft ca. 10-20 % unserer Patienten und kann unterschiedliche Folgen haben. Leider sind die mechanischen Belastungen bei Bruximus-Patienten auf natürliche Gewebe wie auf Restaurationsmaterialien und Implantate so unterschiedlich und komplex, dass sie statistisch schwer zu untersuchen sind und die Datenlage nicht eindeutig. Wichtig ist aber, überhaupt Bruxismus zu erkennen, zu diagnostizieren, zu bewerten und zu dokumentieren - gerade auch wegen der gestiegenen ästhetischen Ansprüche der Patienten, ihren Wünschen und aus forensischen Gründen, falls die zahnmedizinische Behandlung dann nicht dauerhaft erfolgreich scheint.

Entsprechende diagnostische und Dokumentationshilfsmittel ermöglichen die valide und reliable Erfassung von Zahnverschleiß und bieten so mehr Sicherheit in der Diagnostik (siehe Ahlers). Die direkten Komposit-Restaurationen (siehe Attin) sind kostengünstiger, erfordern aber viel manuelles Geschick und Erfahrung und bei großem Behandlungsumfang die zahntechnische Vorbereitung. Indirekte Verfahren (siehe Kern und Griethmühlen) erleichtern die Einstellung veränderte Kieferpositionen, ermöglichen erst die Einstellung veränderter Gelenkstellungen (siehe Ahlers und Giertmühlen), verteuern aber durch den zahntechnischen Anteil auch die Wiederherstellung von verlorengegangener Zahnsubstanz.

Beeindruckend sind die neuen Möglichkeiten durch den Einsatz von computer-gestützter Planung, Bildgebung und Herstellung (Griethmühlen). Implantate sind bei „Bruxern“ nicht ausgeschlossen – müssen aber lieber stärker dimensioniert sein, sollten material- und werkstoffkundlich verbessert werden (siehe Rieder). Alle Restaurationen sollten bei Patienten mit Bruxismus vorsichtshalber geschützt werden mit Schienen (siehe alle Referenten), wobei aber nicht alle Patienten diese Schienen akzeptieren und tragen.

Dr. Wetselaar aus Amsterdam fasste dann alle gehörten Aspekte zusammen und versöhnte Praktiker und Wissenschaftler: 100% Erfolg von Restaurationen gibt es nicht und zum Glück nimmt der Bruxismus mit zunehmendem Alter ab… Er bekam für seine charmant vorgetragene und breit angelegte Präsentation sehr lang anhaltenden Applaus vom Publikum!

Die Unsitte, dass viele Teilnehmer durch hochgereckte Foto-Apparate und Handys Vortragsbilder kopieren, konnte eingedämmt werden, weil die Referenten ihre Vorträge nach dem Zahnärztetag in zusammengefassten PDFs für eine Woche zum Download zur Verfügung stellen.

Resumeé des Zahnärztetags als Event
Die Teilnehmerschaft wirkte jünger (kein Wunder, der Autor dieses Artikels wird ja jedes Jahr älter in Relation zu allen Teilnehmern). Das Wetter und der Blick auf den Hafen waren dieses Jahr grauer (wie wir das ändern sollen? Vorschläge erbeten). Der Get-together-Abend war dieses Mal (im junge-Leute-Jargon) funky, mit Bezug auf den Titel des Artikels „wilde 13“. Noch nie wurde so wild getanzt, aber es war auch das erste Mal ein Discjockey engagiert und keine Combo, die Lounge-Musik oder Baladen präsentierte. Es war wirklich ein toller Zahnärztetag!

Dr. Thomas Einfeldt