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Bericht von Dr. Thomas Einfeldt zum Zahnärztetag 20./21.01.2017: "Alter Trott oder neuer Weg?"

Dr. Thomas Einfeldt

Diese Frage sollte provozieren und auf dem Umschlag des Heftes zum Besuch des 11. Hamburger Zahnärztetages locken, der diesmal unter dem Titel „Praxisführung – Behand-lungsqualität entsteht nicht zufällig“ stand. Offenbar reizte die Frage …

Eröffnet wurde der Zahnärztetag am Freitagmittag, dem 2o. Januar 2017, vom Präsidenten der Hamburger Zahnärztekammer, Konstantin von Laffert, der sich freute, dass sich nach der letztjährigen  Jubiläumsveranstaltung wieder so viele Kolleginnen und Kollegen für kompakte hochklassige Fortbildung und den kollegialen Gedankenaustausch im Veranstaltungshotel Empire Riverside entschieden hatten; das Mitarbeiterprogramm am Freitag und die Angebote für Zahntechniker am Sonnabend runde das Bild ab. Und man solle auch die Aussteller nicht vergessen, die mit ihren Infos und Produkten zum Gelingen der Veranstaltung beitrügen. Insbesondere nannte er die Sponsoren des „Get-togethers“ am Abend.

Von Laffert ließ es sich nicht nehmen, die Institution Hamburger Zahnärztetag zu loben, dem Fortbildungsausschuss und den Mitarbeitern für die Organisation zu danken und gleichzeitig auf ein neues Format hinzuweisen. Unter dem Titel „Kammer meets ....“ sollen Hamburger Kollegen die Möglichkeit haben, ungewöhnliche Referenten zu gesundheitspolitischen und zahnmedizinischen Themen zu hören. Eröffnet wird die Reihe mit Freddie Sloth-Lisbjerg, Präsident der Dänischen Zahnärztevereinigung, der über den dänischen Weg der Gesundheitsökonomie berichten und diskutieren wird. Das Datum der Veranstaltung wird selbstverständlich noch veröffentlicht.

Als Ehrengäste begrüßte der Hamburger Kammerpräsident den BZÄK-Vizepräsidenten Prof. Dr. Christoph Benz, seine Kollegen aus Schleswig-Holstein, Dr. Michael Brandt und Hessen, Dr. Michael Frank, sowie die Ehrenpräsidenten von BZÄK und Hamburger Kammer Dr. Dr. Jürgen Weitkamp und Prof. Dr. Wolfgang Sprekels. Außerdem zeigte Frau Prof. Dr. Ursula Platzer, emeritierte UKE-Hochschullehrerin und jetzt als Seniorprofessorin am Hamburg Center for Health Economics der Hamburger Uni tätig, ihr Interesse an der Praxisführungsthematik.

Doch bevor die Fortbildung startete, wurden zwei Hamburger Kollegen für ihren Einsatz um die Fortbildung im Bereich Endodontie geehrt und erhielten die Ehrenurkunde Fortbildung: Dr. Horst Behring und Dr. Clemens Bargholz.Der Vorsitzende des Fortbildungsausschusses Priv.-Doz. Dr. M. Oliver Ahlers übernahm nun die Leitung und Moderation und erklärte, dass der Ausschuss bewusst eine Zäsur nach dem letztjährigen Zahnärztetag mit dem Überblick über verschiedene zahnmedizinische Disziplinen setzen wollte, und den Fokus diesmal auf die Praxisführung und ihren Einfluss auf die Behandlungsqualität gerichtet habe. Um Fortschritte zu erzielen, sei es wichtig, bewährte alte Methoden mit neuen oder zukünftigen Entwicklungen zu vergleichen.

Aus diesem Grund sei auch der renommierte Zukunftswissenschaftler, Publizist und Politikberater Prof. Dr. Horst Opaschowski zu seinem Festvortrag. Die „realistische Zukunfts-Trend“-Prognose: So leben und arbeiten wir morgen! gebeten worden.

Opaschowski offenbarte seine Methode, eine Antenne für die Zukunft durch Beobachtung und Analyse der Gegenwart aufzurichten und belegte seinen Erfolg mit Bespielen tatsächlich eingetretener Prognosen. Er würzte seinen Vortrag mit Humor. So nannte er eine Art der Zukunftsprognose, die ein amerikanischer Cowboy entdeckte; dieser traf bei einem Ritt durch die Prärie auf einen Farmer, der mitten im Sommer einen gewaltigen Vorrat an Brennholz spaltete. Auf die Frage an den Farmer, warum er dies tue, antwortet der Farmer, dass es bestimmt einen sehr frühen, kalten und langen Winter geben würde. Denn er hätte beobachtet, dass die Indianer in den Bergen bestimmte Rauchzeichen als Warnung gäben. Auf seinem weiteren Weg begegnete der Cowboy nun auch dem Indianer, der die Rauchzeichen gab und diese so begründete: Es würde bestimmt einen sehr frühen, kalten und langen Winter geben, denn dies sei immer so, wenn der Farmer früh mit dem Anlegen des Brennholzvorrates beginne.

Opaschowski zeigte dem Auditorium 10 Zukunftstrends auf und faszinierte seine Zuhörer auch mit seiner ansteckenden begeisternden Art des Vortrags. Der Autor dieser Zeilen bedauert den Leser, der diese Trends nun wegen Abwesenheit nicht kennt und gibt den Rat, lieber nächstes Mal rechtzeitig den Zahnärztetag zu buchen. Die Conclusio wird aber doch verraten: Es gibt den Trend, weniger reich aber zusammen wohllebend aktiv älter zu werden.

Und es gab noch ein paar Ratschläge des Zukunftsforschers für ein gutes Leben. Kurios dieser: „Man hat herausgefunden, dass häufiges Joggen das Leben verlängert. Wer ca. 1,5 Jahre seines Lebens mit Joggen verbringt, wird ungefähr zwei Jahre älter.“

Als der Festredner endete, war es mucksmäuschenstill im Saal und dann brandete langandauernder Applause auf. Die Festrede war eine gelungene und von vielen Kolleginnen und Kollegen gelobte Einleitung der Veranstaltung.

Nach der Pause hielt der Justiziar der Hamburger Zahnärztekammer, RA Sven Hennings, das Re-ferat Rechtsformen der zahnärztlichen Berufsausübung in der Zukunft und deren wirtschaftliche Folgen. Hennings zeigte auf, welche Überlegungen und Aspekte der Lebensplanung getroffen werden sollten, bevor Praxisbetreiber sich auf eine Art der Praxisform festlegen. Statistisch gäbe es immer noch viele Einzelpraxen, der Trend zur gemeinsamen Berufsausübung sei aber stetig wachsend. Umso wichtiger sei die Bedeutung des Vertragswerkes zur Regelung dieser Berufsausübungs-Gemeinschaften. Auch an dieser Stelle können nicht die Hinweise wiederholt werden, denn der 45-minütige Vortrag war zwangsläufig ein verdichteter Appell, sich der Thematik intensiver zu widmen und ggf. ein Seminar zu besuchen, um auch bestehende Verträge zu überprüfen und nötigenfalls anzupassen an neue Praxis-Gegebenheiten und Rechts- und Steuervorschriften. Wichtigstes Fazit: MVZs haben nur bei ganz bestimmten Zahnarzt-Karrieren einen Vorteil.

Johann Schaffer, Unternehmensberater der DR. RINNER & PARTNER GMBH aus Salzburg und München hat aus seiner langjährigen Tätigkeit aus Beratung und Coaching einen enormen Überblick über viele Arzt- und Zahnarztpraxen. Seinem Vortrag wie stelle ich meine Zahnarztpraxis zukunftsfähig aus? Die Praxis zwischen Mensch und Digitalisierung stellte er eine Einteilung der Praxisinhaber in ein Koordinatensystem von vier Typen voran: den Verschwender, den Samariter, den auf-Wachstumskurs und den High-Performer. Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, dass das Leben und die Welt im steten Wandel ist, so hat Schaffer bei seinen Klienten bemerkt „Nichts klebt fester als die Gewohnheit”. Es ist wohl sehr schwer, sich von alten Gewohnheiten zu trennen. Dies illustrierte Schaf-fer mit etlichen Fotos aus Praxen – der Zuschauer schämte sich fremd bei manchen Einblicken in Empfangsbereiche, Warte- und Behandlungszimmer oder Patienten-WCs. Und zugleich waren diese Fotos eine Mahnung, die eigene Praxis erneut kritisch zu begehen und sie einmal zu analysieren, welche Dinge und Symbole anachronistisch und zu entsorgen sind, welche Neuerungen ein zeitgemäßes und wünschenswertes reales Image transportieren. Schaffer empfiehlt zur Analyse der Ist-Situation der Praxis eine Checkliste von über 100 Fragen und auch eine Patienten-Befragung. Erst dann lässt sich ermitteln, welche Marketing-Maßnahmen sinnvoll zu einer Verbesserung der Praxis führen können. Auch in dieser ¾ Stunden-Fortbildung wurde klar: Ein mehrstündiges Seminar brächte mehr Tiefe, eine Einzelberatung würde die neun Beratungsbereiche optimieren: 1.MARKETINGCHECK, 2. PATIENTENBEFRAGUNG, 3. LEITBILD (Werte, Ziele, Mission, Vision) 4. FINANZANALYSE 5. MARKENPOSITIONIERUNG 6.WIRTSCHAFTLICHKEITSANALYSE 7. MARKENBILDUNG 8. TEAMGESTALTUNG & -ENTWICKLUNG und 9. FÜHRUNGSENTWICKLUNG.

Fazit dieses Vortrags: Jeder Praxisinhaber muss sich fragen, ob er wirklich mit dem Ist-Zustand zufrieden ist und nichts ändern will. Denn nach einem Zitat von Albert Einstein: Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert.

Schaffer hatte bewusst den Einfluss des Bereichs Social Media in seinem Referat ausgelassen, weil der Marketings-Experte Martin Schleinhege zum Abschluss des Fortbildungstages den Vortrag Praxismarketing und Social Media: Was wirkt wie und wer kommt warum? halten sollte. Schleinhege hat seine Erfahrungen bei Versand- und Kaufhausriesen gesammelt und konnte die rasante Entwick-lung des World Wide Webs und der Kommunikation sehr gut darstellen. Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass derzeit „Social Media“ mit Facebook, Twitter, Instagram, YouTube und anderen Diensten die Aufforderung zum Dialog ist – und schnelle Antworten erfordert. Wer nicht bereit ist, zu antworten oder wer nichts täglich neu zu sagen hat, der muss zudem mit negativen Reaktionen rechnen, und das Internet vergisst nichts. Dem entsprechend muss sich jemand um Social Media kümmern! Und gegensteuern, falls fake news oder Shitstorm auftreten. Schleinhege gab auch Hinweise, welche technischen Möglichkeiten bestehen, wie sie juristisch zu bewerten sind, wo Nutzer sich einverstanden erklären müssen, wo wegen der rasanten Entwicklungen „Grauzonen“ auftreten. Den Zahnärztinnen und Zahnärzten, die keine Internet-Nerds sind, schwirrte der Kopf und es wurde deutlich: Wer dies wirklich will, muss selbst Experte sein oder muss professionelle Hilfe bezahlen. Wer diesen Bereich innerhalb des Praxisteams delegieren will, weil er sich auf die Zahnmedizin konzentrieren möchte, braucht sehr viel Vertrauen und Mut. Als Schleinhege dann das Web 4.0 als Internet of Things erklärte, schweiften die Gedanken des Autors dieser Zeilen ab, weil er sich vorstellte wie die Praxis-Heizung mit dem Lichtsystem oder dem Steri oder dem Wartezimmer-TV über Apps kommuniziert, Witze über den Zahnarzt reißt und der Kühlschrank einen Lachanfall bekommt. Was für Warenhäuser gilt, die Konsu-menten überregional suchen, muss für die wohnortnahe Praxis nicht gelten. Wer bundes- oder weltweit Patienten sucht, der muss sich bekannt machen. Ich wünsche allen, die das brauchen, viel Glück, finde aber gerade den LIKE-Button nicht.

Gefunden aber habe ich um 19:00 Uhr den Sektempfang, die Snacks und etliche nette Kollegen und Kommilitonen, die teils aus anderen Bundesländern angereist waren. Die Lounge Brothers aus Hamburg widmeten sich der angenehmen Bar-Musik und verbreiteten eine angenehme Atmosphäre: Wer wollte, konnte sich unterhalten oder ruhig zuhören und mitswingen.

Am Sonnabend pünktlich um 9:30 Uhr hieß es Hygienemanagement – 10 Schritte zum Erfolg. Kammerpräsident Konstantin von Laffert fühlte sich eingeengt: Seine Seminare zur Praxishygiene dauern sonst mehrere Stunden, und fordern viele persönliche Nachfragen aus dem Auditorium heraus, doch nun sollte er sich auf die 10 heißesten Eisen begrenzen und dies in 45 Minuten schaffen. Um die Kolleginnen und Kollegen richtig wach zu machen, präsentierte er 10 „Schockbilder“, Negativ-Beispiele aus Praxisbegehungen. Zum Glück alles Vergangenheit und nach Angaben des Referenten nicht aus Hamburger Praxen stammend. Dann gab von Laffert Gas und Punkt für Punkt kondensierte er die neuesten Infos: 1. Händedesinfektion und Anforderungen an Spender (ggf. sterilisierbare Pumpen), 2. Arbeits- und Schutzkleidung, 3. Wartungsintervalle Steri und RDG, 4. Validierung, 5. Aufbereitung von Medizinprodukten kritisch B, 6. Ausstattung von „Eingriffsräumen“ ähnlich dem ambulanten Operieren, 7. Aufbereitung von spitzen oder scharfen Instrumentarium mit durchstichsicheren Handschuhen, 8. Aufbereitung von Winkelstücken, 9. Postexpositions-Prophylaxe nach Stichverletzung, 10. Vollviruzide Flächen- und Geräte-Desinfektionsmittel.

Fazit: Toller Vortrag, die Zuhörer waren wirklich wach. Die Zuschauer sahen die schönste Power-Point-Eingangs-Folie mit einen Bild der Elbphilharmonie. Das Thema Hygiene ist ein Dauerbrenner und jeder möchte eine in Hygiene fitte Praxis präsentieren – wenn eine Begehung denn mal sein muss (und da konnte man auch an den letzten Vortrag vom Freitag anschließen, wenn ein anonymer Homepagebesucher im Netz an der Hygiene mäckelt).

Die hessische Kollegin und Mitglied des Hessischen Kammervorstands Dr. Doris Seitz lieferte mit dem Vortrag QM leichter umsetzen: Das neue ZQMS und ZQMS ECO das Rüstzeug, um auf dem neuesten Stand auch für Begehungen zu sein. Das Online-System, von Zahnärzten für Zahnärzte gemacht, enthält alle aktualisierten Vorschriften und gesetzlichen Vorgaben, so dass man nichts ver-gessen oder übersehen kann. Es umfasst individualisierbare Checklisten und Hygienepläne (die dann aber als Dokument im Praxis-PC gespeichert werden müssen). In einem Kompass ersichtlich sind verschiedene Bereiche der Struktur-, Prozess- und Ergebnis-Qualität abzuarbeiten – wenn man bei der Kammer einen Zugangs-Code erhalten hat.

Die Hamburger Kammer ist dem Zusammenschluss verschiedener Kammern beigetreten, da das System bestechend effektiv ist und auf Hamburger Verhältnisse geeicht wurde. Leider (oder zum Glück) gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Vorschriften, aber die gemeinsame Program-mierung schafft Synergien und senkt Kosten. Ein Online- System weckt Misstrauen, man könne von der Kammer aus den Fortschritt des QM-Prozesses in der Praxis einsehen. Selbstverständlich werden die Daten verschlüsselt und anonymisiert übermittelt und entsprechen dem Datenschutz, den sich alle Zahnärzte wünschen, so dass nur die Praxis selbst ihre Daten sehen kann.

Wer das Ziel, alle Aufgaben-Felder des Kompasses von „rot“ auf „grün“ abgearbeitet zu haben, erreicht hat, kann sich auf Wunsch auch noch zertifizieren lassen und mit der Zertifizierungsurkunde schmücken, und nach dem Intervall re-zertifizieren lassen. Außerdem gibt es für betriebswirtschaftliche, finanzielle und rechtliche Fragen und das Risiko- und Versicherungsmanagement einen Extra-Zugang für ZQMS-ECO.

Fazit: Die Referentin hat kompetent und präzise das ZQMS präsentiert und konnte Skeptiker über-zeugen. Moderator Ahlers fragte ab, wer das System schon nutze – das waren noch nicht so viele, wer es nun nutzen wolle – da gingen viele Arme in die Höhe.

Ein juristisches Thema hatte der Hamburger Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht, Dr. Tobias Thein, zu präsentieren: Patientenrechtegesetz und Antikorruptionsgesetz praktikabel umsetzen. Thein illustrierte die Vorschriften, die in den §§ 630 a ff aufgeführt sind mit praktischen Beispielen und zeigte auf, welche Pflichten aus dem Patientenrechtegesetz abzuleiten sind und wie diese zu do-kumentieren sind, falls es zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen Zahnarzt und Patient kommt. Besonders wichtig sind nach seinen Erfahrungen Aufklärung und Einwilligung und Dokumentation. Da dieses Gesetz schon länger existiert, gibt es eben auch schon gesprochenes Recht und praktische Erfahrungen.

Diese fehlen mit dem neuen Antikorruptionsgesetz und dementsprechend herrschen bei der Umsetzung auch noch Unsicherheiten, insbesondere beim Umgang und den Geschäftsbeziehungen mit Zahntechnikern, gesponserten Fortbildungen, Skonti, Partner-Factoring und anderen Aspekten. Thein präsentiere die Infos lebendig und kompetent, aber der Autor dieser Zeilen sieht sich nicht in der Lage, juristisch korrekt zu zitieren und unterlässt es auch, weil Moderator Ahlers im Anschluss spürte: Hier stand mit 45 Minuten nicht genug Zeit zur Verfügung. Ein „Hand-aufhebe-Votum“ vom Publikum zeigte an, dass ein Seminar in das Fortbildungsprogramm aufgenommen werden soll. Der Referent erhielt trotz des trockenen Themas freundlichen Applaus.

Francesco Tarfuro von der Beratungs- und Coaching-Agentur Tarfuro und Team, bekannt auch aus dem Hamburger Fortbildungsprogramm, rundete den Zahnärztetag vor dem vorzüglichen Mittagsessen mit dem Thema Mitarbeiterbindung und Personalsuche ab. Er erklärte die Wünsche und Bedürf-nisse der Generation der zwischen 1980 und 2000 Geborenen, also diejenigen potentiellen Mitarbeiter, die derzeit am häufigsten wechseln. Ihre Einstellungen sind aus Umfragen bekannt: Sie kennen ihre Rechte und pochen darauf, sie sehen den Beruf mehr als Job zur Gehaltssicherung denn als Beru-fung, wollen ernst genommen werden und mögen Überstunden nur begrenzt und allenfalls angemeldet. Aufgrund des demografischen Wandels gibt es Sorgen um den beruflichen ZFA-Nachwuchs. Tarfuro gab Tipps zur Mitarbeiterbindung und zur Personalsuche, lobte das Stellen-Anzeigen-Portal der Zahnärztekammer, gab Hinweise, dass Printmedien seltener gelesen werden, „Meine-Stadt.de“ eine Fülle von Anzeigenmöglichkeiten und Darstellung der Praxis samt Team als neue Kollegen bietet, wie man das eigene Team als Headhunter einsetzen könne (Prämien aber erst nach Überstehen der Probezeit in Aussicht stellen solle). Tarfuro sah Beratungsbedarf der Praxischefs bei der Vorbereitung der Einstellungsgespräche und auch bei der Mitarbeiter-Führung und Mitarbeiter-Bindung.

Fazit: Auch bei diesem Thema reichte die Zeit nur für ein Anreißen der wichtigsten Bereiche und es wurde deutlich, wie brisant die Lage sich entwickelt. Empathische, fördernde und lobende Chefs sind gefragt – autoritäre Typen müssen da umlernen. Kurse werden angeboten …

Nach der Mittagspause gab es dann noch einen bekannten und geradezu legendären Referenten: Den Kollegen und Privatzahnarzt aus Westerburg, Dr. Dieter Reusch, der zu den Themen Praxislogistik, Organisation und Ergonomie referieren sollte. Mit Bedacht wurden Reusch 90 Minuten Vortragszeit zugestanden, denn der erfahrene Kollege ließ es sich nicht nehmen, aus 50 Jahren persönlicher Erfahrung mit zahnmedizinischen Aufgaben zu berichten. Er zeigte – neben den aktuellen Fotos von In-strumenten-Sets, Aufbereitungsboxen, Lagerhaltung, ergonomischer 4-Hand-Technik, Befundbögen und Planungs-Checklisten eine Reihe bemerkenswerter Patienten-Fälle. Ein wunderbarer Abschluss der Zahnärztetages und eine Versöhnung mit den eher trockenen und wenig zahnmedizinisch-leuchtenden Verwaltungsthemen. Ein Eindruck von dem Sendungsbewusstsein des Kollegen Reusch lässt sich über seine Homepage oder die www.westerburgerkontakte.de erhalten.

Bilanz: Im Namen des Fortbildungsausschusses konnte der Leiter und Moderator des 11. Hamburger Zahnärztetages, Priv.-Doz. Dr. M. Oliver Ahlers, an den Gesichtern des Auditoriums und am Abschluss-Applause feststellen, dass die Tagung erfolgreich verlaufen war und die Erwartungen der Teilnehmer erfüllt hatte. Der kommende 12. Hamburger Zahnärztetag 2018 wird dann wieder einem Fachthema gewidmet sein.

Dr. Thomas Einfeldt